Um "recht" schreiben zu können, muss das Kind in der Lage sein,
Phonologische Bewusstheit: Hierunter versteht man die Fähigkeit des Kindes, Einsicht in den lautlichen Aufbau der Sprache zu gewinnen (z.B., Reimwörter zu erkennen und Wörter in Silben aufteilen zu können) sowie die Fähigkeit, kleinste Lauteinheiten (Phoneme) zu erkennen und zu verarbeiten (z.B. An- und Endlaute erkennen: "Was hörst Du ganz am Anfang, wenn ich sage "Oma"? Ja, ein "O"!"; Phonemanalyse und Phonemsynthese: Ich höre "Sch"-"u"-"l"-"e" und kann daraus folgern, dass das Wort "Schule" heißt und umgekehrt: Ich höre das Wort Schule und kann die entsprechenden Laute erkennen).
Gedächtnisfunktionen: Das Kind muss in der Lage sein, die im Verlauf des Schriftspracherwerbs gelernten Buchstaben-Laut-Verbindungen schnell und zuverlässig aus dem Gedächtnis abrufen zu können (Zugriff auf das sogenannte "semantische" Gedächtnis). Weiterhin muss das Kind in der Lage sein, Laute und Lautsequenzen kurzfristig "im Kopf" zu behalten, bis es daraus das Wort erkannt und mit dem Wort eine Bedeutung verbunden hat.
Fein- und graphomotorische Funktionen: Letztlich ist es für viele Kinder noch eine Herausforderung,
die Buchstaben und Wörter in angemessener Geschwindigkeit zu Papier zu bringen. Eine verkranpfte Stifthaltung, eine unsichere Linienführung, Unsicherkeiten in der Buchstabenform, Schwierigkeiten bei Buchstaben mit vielen Richtungsänderungen im Schreibfluss (z.B. "x", "G", "H"), eingeschränkte Flexibilität im Umgang mit Druck- und Schreibschrift, Groß- und Kleinbuchstaben etc.Im Rahmen einer ganzheitlichen Sichtweise werden auch die grundlegenden Körpersinne mit in die Therapie einbezogen, um die Behandlung "sinn-voll" zu gestalten. So hat z.B. die Körperwahrnehmung (Wahrnehmung von links, rechts, oben, unnen, innen, außen... am eigenen Körper, Körperstellung in bezug zum Raum) eine wesentliche Vorläuferfunktion für aufbauende Fertigkeiten wie Lesen, Schreiben, Rechnen.
Die Therapie erfolgt in der Regel spielerisch, gestalterisch und/oder handlungsorientiert. Es können spezifische Fördermaterialien zum Einsatz kommen, wie z.B. der BrainBoy (Warnke-Konzept), Spiele zur Förderung der auditiven Wahrnehmung und phonologischen Bewusstheit (z.B. der Firma LingoPlay), PC-gestützte Verfahren (z.B. Karolus), lautgetreue Texte, Graphomotorische Trainingsprogramme (z.B. "Den Stift im Griff" von Achim Rix), u.v.m.
Eine Ergotherapie wird häufig einer Nachhilfe oder Lerntherapie vorgeschaltet oder begleitend verordnet. Bei komplexeren Störungsbildern erfolgt sie auch parallel zur Logopädie (welche in der Regel auch auf die Hörwahrnehmung eingeht).
