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Ergotherapie bei Kindern mit Rechenschwierigkeiten

Eine ergotherapeutische Behandlung bei Rechenstörungen bezieht sich primär auf die neuropsychologischen Stützfunktionen des Rechnens. Hierunter versteht man Gedächtnisfunktionen, Aufmerksamkeitsprozesse, visuell-räumliche Wahrnehmung (incl. Konstruktionsfähigkeit), auditive Wahrnehmungs- und Sprachleistungen sowie teilweise sensomotorische Leistungen (Fein- bzw. Graphomotorik).

Rechenrahmen Dabei wird auf die Einbeziehung von verhaltenstherapeutischen Aspekten (z.B. Selbstinstruktion) und Ansätzen des Rechentrainings sowie des individuellen Profils der mathematischen Kompetenzen eines Kindes bezüglich pränumerischer und numerischer Aspekte geachtet. Treten Wahrnehmungsstörungen oder Konzentrationsstörungen auf, so werden entsprechende Konzepte und Vorgehensweisen in die Therapie integriert.

Wichtige Wahrnehmungsbereiche sind z.B.:

  • Körperwahrnehmung ("Ich habe 10 Finger, 5 und 5") sowie zunächst Rechnen mit dem Körper/ mit den Fingern
  • Raumorientierung
  • sprachliche Arbeitsgedächtnisleistungen (Merkfähigkeit)
  • Simultanerfassung (das visuelle Erfassen einer Mene bis 4 "auf einen Blick)/ Erfassen kleiner strukturierter Mengen (z.B. Würfelbildmenge auf einem Blick erfassen können)
  • das korrekte Abzählen mit den Fingern (Eins-zu-eins-Zuordnung, Übereinstimmung von Zählen und Zeigen)
  • Fähigkeit zur Reihenfolgenbildung (Serialität), Ordnen von Objekten nach bestimmten Merkmalen (z.B. nach Größe oder Dicke aufsteigend/absteigend)
  • Verständnis von sprachlichen Begriffen wie: davor, danach, dahinter, daneben, der nächste, der übernächste, das Doppelte, die Hälfte, etc
  • Vergleichen und Sortieren von Objekten nach mehr, weniger, gleich viel
  • visuell-räumliche Vorstellungsfähigkeit von Mengen, Größen, Längen mit der Fähigkeit, die Dimensionen zu vergleichen
  • Zählkompetenzen:Abzählen, Zählen vorwärts und rückwärts (z.B. innerhalb der Therapie mit Hilfe eines Zahlweges etc), Benennen von Vorgänger-/Nachfolgerzahl, Zahlenvergleichsaufgaben
  • Zahlenwissen (Zuordnung einer Menge zu einer Zahl, arabisches Zahlwissen)
  • Teil-Ganzes: Erkenntnis, dass Mengen zerlegbar sind
  • Rechenfertigkeit mit konkretem Material (handlungsorientiert)
  • u.v.m.

    Innerhalb der Ergotherapie werden diese Themenbereiche spielerisch, gestalterisch und handlungsorientiert erarbeitet; so können Lerninhalte sehr motivierend vermittelt werden.

    Zahlenkarten Bestimmte Hilfsmittel und spezifische Materialien können zum Einsatz kommen: z.B. Montessori-Material, Abaco, computergestützte Programme, bestimmte Spiele (auch als Anregung für zu Hause).
    Grundsätzlich werden Handlungs- und Bewegungsprozesse, die räumliche Orientierung, aber auch die Beschaffenheit von Materialien und Objekten, verbalisiert und mit den entsprechenden Begriffen ("größer als", "kleiner als", "mehr als", "weniger als") verdeutlicht. Dies gilt besonders auch für mathematische Beziehungen.

    Im Rahmen einer ganzheitlichen Sichtweise werden auch die grundlegenden Körpersinne mit in die Therapie einbezogen, um die Behandlung "sinn-voll" zu gestalten. Beispielhaft kann genannt werden: Das Erspüren von Mengen über den Fühlsinn, das Erfahren eines Zahlenstrahls über das Hüpfen (Muskelsinn, Gleichgewichtssinn), etc. Weiterhin hat z.B. die Körperwahrnehmung (Wahrnehmung von links, rechts, oben, unnen, innen, außen... am eigenen Körper, Körperstellung in bezug zum Raum) eine wesentliche Vorläuferfunktion für aufbauende Fertigkeiten wie Lesen, Schreiben, Rechnen.

    Ergotherapie setzt an den Basisfähigkeiten an- sie wird oftmals einer Nachhilfe oder Lerntherapie vorgeschaltet oder begleitend verordnet.