- Sensumotorische Phase: Hier geht es- wie der Name schon verrät - um das Zusammenspiel von Sensorik (Wahrnehmung über die Sinnessysteme) und Motorik (Bewegung). Der Mensch kommt mit vielen angeborenen Reflexen zur Welt. Diese ermöglichen dem Baby erste Bewegungen und erste sinnliche Erfahrungen mit der Umwelt. Beispiele: Saugen, Greifen, etc. Das, was dem Baby angenehm erscheint, wird wiederholt und abgespeichert. Erste Erkenntnisse bezüglich Mittel und Zweck bilden sich heraus. Beispiel: Wenn ich eine Rassel greife und schüttle, dann höre ich ein interessantes Geräusch. Wichtige Erkenntnis dieser Phase ist auch die sogenannte Objektpermanenz, welche sich um den 6. - 8. Lebensmonat herausbildet: Das Baby weiß nun, dass bestimmte Dinge vorhanden sind, auch wenn es sie nicht mehr sieht. Versteckspiele werden in diesem Alter interessant und förderlich. Das Vorhandensein der Objektpermanenz zeigt, dass das Baby erste Objekte und Handlungen verinnerlicht hat. Spätestens zur Mitte des 2. Lebensjahres hat das Kind dann eine recht genaue Vorstellung von seinen Handlungen und deren Ergebnis. Das vorausschauende Denken beginnt.
- Präoperationale Phase: Diese Phase betrifft das Lebensalter 2-7 und findet sich schwerpunktmäßig im Kindergartenalter wieder.
- Konkret-operatorisches Stadium: Diese Phase beginnt etwa mit dem 7. Lebensjahr, also ungefähr mit Beginn des Grundschulalters. Wichtige Erkenntnisse sind hier z.B. die Fähigkeit zur Reihenfolgebildung nach bestimmten Dimensionen (z.B. etwas der Größe nach sortieren), die Invarianz von Volumen, Menge, Größe (die Menge 5 bleibt gleich- egal, ob ich 5 Bonbons so oder so hinlege), Einsicht in den Zahlbegriff (mit "5" ist immer nur "5" gemeint und ich kann mir dazu 5 vorstellen). Im Tun, Handeln und Denken des Kindes werden Operationen wichtig: Hierunter versteht man verinnerlichte Handlungen, die sowohl in der Realität als auch gedanklich vollzogen werden und aber auch wieder rückgängig gemacht werden können (z.B. Wenn ich ein Bonbon habe und Mama gibt mir noch eins, dann hab ich zwei Bonbons. Wenn ich eins davon meiner Schwester gebe, habe ich wieder nur ein Bonbon). Diese Phase hat einen engen Bezug zum mathematisch-logischen Denken.
- Formal-operatorisches Stadium: Dieses Stadium ergänzt ab dem 11. Lebensjahr das zuvor Genannte. Das Denken ist nun nicht mehr auf das Anschauliche/Konkrete beschränkt, sondern es können Vermutungen angestellt werden, die über das Anschauliche hinausgehen
Relevanz für die Ergotherapie
Kinder entwickeln ihre geistigen Fähigkeiten hauptsächlich durch das Spielen. Insofern setzt die Ergotherapie hier an, indem es kindgerechte und entwicklungsstandgerechte Spiele in die Therapie integriert. Rollenspiele kommen ggf. ebenso zum Einsatz wie Regelspiele, Konstruktionsspiele finden Beachtung sowie sensomotorische Spiele zur Förderung derKörperwahrnehmung, Sinneswahrnehmung und Bewegung.In der Therapie wird versucht, das Kind dort abzuholen, wo es kognitiv steht und so viel wie nötig, dabei aber so wenig wie möglich Unterstützung zu geben, so dass das Kind die Möglichkeit erhält, wesentliche Denkvorgänge selbst zu "erleben". Beispiel: Wer das Prinzip der Addition nur konkret-anschaulich mit Hilfe von Darstellungsmaterial umsetzen kann und noch nicht gedanklich, dem wird Zeit und entsprechendes Material zur Verfügung gestellt, um diese wesentlichen Erkenntnisse nochmal und noch einmal zu erleben - durch die Wiederholungen des Tuns können sich diese Prozesse besser abspeichern.
Kinder mit Einschränkungen in der Denkentwicklung benötigen in der Regel mehr Zeit, mehr Anschauungsmaterial, mehr konkrete Handlungen, mehr Verständnis und mehr Einfühlungsvermögen als Kinder ohne diese Schwierigkeiten.
Folgende Materialien/Medien kommen dabei unter anderem zum Einsatz:
- Spiele in allen möglichen Formen (Regel-, Rollenspiele, Wahrnehmungsspiele etc.)
- Montessori-Material
- Nikitin-Material
- Rollenspiele (z.B. Einkaufen, Abzählen etc)
- Handlungen/Betätigungen: Sortieren, Ordnen, etwas in eine Reihenfolge bringen...
